Boreout – der Bruder vom Burnout | Burnout Prävention

„Meine Arbeit ist stressig.“ Diese Klage kennen wir alle. Wenn die Stressbelastung nicht abgebaut werden kann, entwickelt sie sich zu einem Burnout. Das gegenteilige Leiden macht (noch) wenig von sich reden – das Boreout. Die Langeweile im Beruf die ebenso krank macht wie die stressbedingte Erschöpfung. Wenn Sie nur gelegentlich eine Be-schäftigungslücke mit einem Schwatz unter Kollegen oder einer privaten Internetrecher-che überbrücken – ist das noch kein Problem.


Minuten zählen bis zum Feierabend
Wer dagegen regelmässig zu wenig zu tun hat und/oder unterfordert ist, hat ein ernstzu-nehmendes Problem. Morgens ein paar E-Mails rausgehauen und dann bis Feierabend die Minuten gezählt? Das kommt nicht gut an in unserer Leistungsgesellschaft.

Doch genau in diesem Dilemma – ich hab nichts zu tun, hoffentlich merkt’s keiner – entwickeln die gleichen Phänome wie wir es vom Burnout kennen. Die Unterforderung entsteht entweder durch eine geringe Menge der Arbeit oder dadurch, dass die Qualifikation des Beschäftigten höher ist, als es seine beruflichen Aufgaben erfordern und er sich deshalb geistig unterfordert fühlt.

Kritisch wird es, wenn sich an Ihrem Schreibtisch regelmäßig Langeweile breitmacht. „Ein qualifizierter Buchhalter, der nur Zahlenkolonnen addieren soll, wird dies als Erniedrigung empfinden; es entsteht Stress durch Unterforderung. Typische Symptome sind Konzentrations- und Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Vergesslichkeit bis hin zu Depressionen, gemäss Dr. Uwe Ricken, Bundesverband selbständiger Arbeitsmediziner und freiberuflicher Betriebsärzte. Das beschränkt sich irgendwann nicht mehr nur auf den Job. So was pflanzt sich ins Private fort und löst unter Umständen einen sozialen Rückzug aus. Neben chronischer Unterbeschäftigung gibt es einen zweiten wichtigen Grund für Unterforderung: zu viel Routine.

Der Laden läuft, aber …
Die Arbeit erschöpft sich in immer gleichen Abläufen. Um ausgelastet und geschäftig zu wirken, tun Boreout-Betroffene so, als ob sie arbeiten würden. Sie tippen z.B. wahllos auf Computertasten, erledigen privaten Schriftverkehr am Arbeitsplatz, buchen und planen ihre Urlaube oder surfen stundenlang im Internet, nehmen nicht vorhandene Arbeit oder Akten mit nach Hause. Sie gehen früh ins Büro und spät nach Hause. Sie arbeiten ihre zu erledigende Arbeit schnell ab, geben diese aber erst kurz vor dem Abgabetermin ab. Betroffene sind mit ihrer Situation sehr unzufrieden – ihnen fehlt die Anerkennung, die sich aus der Erledigung sinnvoller und anspruchsvoller Arbeit ergibt.

Gleichzeitig tun sich Betroffene jedoch schwer, ihre Langeweile und ihr Unausgelastetsein zuzugeben. Dies würde in ihren Augen bedeuten, dass sie überflüssig und damit kündbar sind (Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes). Andererseits ist es sozial nicht anerkannt und damit schlecht fürs Image, sich bei der Arbeit zu langweilen. Nur wer viel zu tun hat und im Stress ist, bekommt Anerkennung.

„Ich habe das Gefühl, meine Hirnzellen kann ich inzwischen an einer Hand abzählen“, klagt eine Betroffene in einem Internet-Forum zum Thema (www.boreout.com). Die Tage ziehen sich wie Kaugummi, gähnende Langeweile und Lustlosigkeit gehen Hand in Hand. Doch der Arbeitnehmer lässt sich nichts anmerken. Projektleiter beispielsweise schieben ihr Projekt jeden Tag nur ein klitzekleines Stück voran. So dauert es ewig, trotzdem können sie immer etwas vorweisen. Arbeit flachwalzen nennen Rothlin und Werder in Ihrem Buch „Diagnose Boreout“ diese Strategie. Die Aktenkofferstrategen hingegen nehmen sich jeden Abend einen Schwung Arbeit mit nach Hause. Aber weder lüften sie daheim das Köfferchen noch im Betrieb ihr eigentliches Problem.

Sozialwissenschaftler unterscheiden zwischen

  • Quantitative Unterforderung: Es gibt zu wenig Arbeit. Diese Situation taucht häufig auf und wird durch einer Umfrage von Salary.com bestätigt.
  • Qualitative Unterforderung: Ehemals hochqualifizierte Berufe, mit viel Verantwortung und reich an Entscheidungen, werden simpler. Der Mitarbeiter verschleisst sich in öden Routinetätigkeiten.

Selbständige leiden fast nie unter Boreout

Warum leiden Selbständige nicht darunter? Sie stecken ihr ganzes Herzblut in die Arbeit, sonst wären sie gar nicht selbständig geworden. Und würden sie dies nicht tun, landeten sie in der Insolvenz. Unternehmergeist scheint also ein wirksames Gegenmittel zu sein. Allein deshalb lohnt es sich für Führungskräfte dafür zu sorgen, dass in der Arbeit Sinnhaftigkeit erlebt werden kann, indem die Mitarbeitenden so eingesetzt werden, dass ein Kongruenz zwischen der Anforderung der Aufgabe und der individuellen Kompetenz ermöglicht wird.

  • Arbeitgeber sollten regelmäßig überprüfen, ob es Möglichkeiten gibt, einen Job sinnvoller und besser zu gestalten. Das Ziel muss sein, anspruchsvolle und angemessene Aufgaben zu schaffen. Dazu beitragen können mehr Verantwortung, Beteiligung an zentralen Projekten, mehr Mitbestimmung oder sogar finanzielle Beteiligung.
  • Zugleich bleibt jeder Arbeitnehmer in der Verantwortung, von sich aus den Teufelskreis zu durchbrechen, um sich selbst zu helfen. Viele müssen erst lernen, dass sie nicht nur Opfer sind, sondern selbst etwas ändern können. In Eigenverantwortung handeln können Mitarbeiter etwa, indem sie eine Zusatzausbildung oder eine Umschulung absolvieren oder – bei quantitativer Unterforderung – auf einen Teilzeitjob umsatteln. In Betracht kommen auch ein Arbeitgeberwechsel oder ein interner Stellenwechsel, sofern das Unternehmen es ermöglicht.
  • Vor allem aber ist Unterforderung im Beruf eine Herausforderung für Arbeitgeber: Leicht verlieren sie Mitarbeiter, die eigentlich viel mehr leisten könnten, als man sie lässt. Darum sollten Führungskräfte ihre Angestellten beobachten und ihnen helfen, aus dem Boreout auszubrechen.

Der Test zeigt Ihnen, ob auch Sie womöglich Bore-out gefährdet sind

Boreout Test

Mit der Beantwortung der Fragen können Sie prüfen ob Sie an Boreout leiden bzw. zur Risikogruppe gehören. Wenn Sie 4 mal mit JA antworten, besteht bei Ihnen die Gefahr ein Bore-out zu entwickeln.

  • Erledigen Sie häufig private Dinge während der Arbeitszeit?
  • Verschicken Sie während Ihrer Arbeitszeit auch private E-Mails?
  • Sind Sie am Abend kaputt und müde, auch wenn Sie gar keinen offensichtlichen Stress hatten?
  • Fühlen Sie sich oft unglücklich bei Ihrer Arbeit?
  • Empfinden Sie Ihre Arbeit oft als sinnlos?
  • Täuschen Sie oft vor, als ob Sie arbeiten würden, haben in Wirklichkeit aber gar nichts oder wenig zu tun?
  • Würden Sie gerne etwas anderes arbeiten, haben aber Angst weniger verdienen zu können?
  • Haben Sie das Gefühl ihre Arbeit schneller erledigen zu können als sie es tun?
  • Sind Sie bei der Arbeit oft lustlos und/oder fehlt Ihnen die Identifikation mit ihrer Arbeit?
  • Sind Sie gelangweilt oder unterfordert auf Ihrer Arbeit?